Neugeborene können gleichzeitig trinken und atmen – das ist anatomisch begründet. Die folgenden sechs Punkte erklären, wie das funktioniert und wann sich das ändert.
1. Der hohe Kehlkopf
Bei Neugeborenen liegt der Kehlkopf deutlich höher im Hals als bei Erwachsenen – bis an den Nasenrachenraum heran. Beim Trinken fließt die Milch rechts und links am Kehlkopf vorbei in die Speiseröhre, während der Luftweg in der Mitte frei bleibt.
2. Saugen, Schlucken, Atmen im Rhythmus
Neugeborene koordinieren Saugen, Schlucken und Atmen in einem festen Rhythmus – etwa 1:1:1 oder 2:1:1. Das läuft automatisch ab: Sobald Milch in den Mund gelangt, wird der Schluckreflex ausgelöst, ohne dass die Atmung unterbrochen wird.
3. Nasenatmer von Anfang an
In den ersten Lebensmonaten atmen Babys fast ausschließlich durch die Nase. Da der Mund beim Trinken abgedichtet ist, sichert die Nase die Sauerstoffzufuhr. Bei verstopfter Nase kann das Trinken deshalb schwierig werden.
4. Kehldeckel und Gaumensegel
Beim Trinken verbindet sich der Kehldeckel mit dem weichen Gaumen. Dadurch entstehen zwei getrennte Wege: Luft fließt von der Nase in die Lunge, Milch vom Mund in den Magen.
5. Wann sich das ändert
Ab etwa dem dritten bis sechsten Lebensmonat wandert der Kehlkopf langsam nach unten – damit die Zunge später die Bewegungsfreiheit fürs Sprechen bekommt. Mit dem tiefer liegenden Kehlkopf verschwindet die Trennung von Atem- und Speiseweg. Ab dann muss auch das Baby beim Schlucken kurz die Luft anhalten.
6. Der Übergang zur festen Nahrung
Wenn der Kehlkopf nach unten wandert, fällt das oft mit dem Interesse an fester Nahrung zusammen. Babys haben anfangs einen weit vorne liegenden Würgereflex. Würgen und Husten an festen Stückchen ist ein normaler Schutzmechanismus – keine vollständige Blockade der Atemwege. Der Körper lernt so, feste Nahrung sicher zu transportieren.

Praktische Tipps fürs Füttern
Manchmal fließt die Milch zu schnell oder eine verstopfte Nase erschwert das Trinken. Ein paar Maßnahmen können helfen:
- Starker Milchspendereflex: Beim Stillen leicht zurücklehnen, sodass das Baby gegen die Schwerkraft trinkt. Das verlangsamt den Milchfluss.
- Haltung: Ohr, Schulter und Hüfte des Babys sollten eine gerade Linie bilden. Der Kopf sollte weder überstreckt noch zu stark auf die Brust gedrückt sein.
- Nase freihalten: Darauf achten, dass die Brust das Näschen nicht eindrückt.
- Flasche: Die Flasche möglichst waagerecht halten, damit der Sauger nur knapp mit Milch gefüllt ist. Pausen einplanen, das Baby bestimmt das Tempo.
- Verstopfte Nase: Vor dem Füttern ein paar Tropfen isotonische Kochsalzlösung oder Muttermilch in die Nasenlöcher können die Atemwege erleichtern.
Kurz zusammengefasst
Der hoch sitzende Kehlkopf, das abdichtende Gaumensegel und die Nasenatmung ermöglichen Neugeborenen, gleichzeitig zu trinken und zu atmen. Diese Fähigkeit verändert sich in den ersten Monaten – parallel dazu entwickelt sich die Grundlage fürs spätere Sprechen.
